Travel 4 Minuten 19 Mai 2026

Polens kulinarische Ikonen - und wo sie am besten schmecken

Pierogi, Posener Martinshörnchen, Flusskrebse aus Danzig, weiße Brühwurst aus Großpolen und vieles mehr – entdecken Sie Polens ikonische Aromen auf einer genussvollen Reise.

Manche Menschen machen Selfies vor berühmten Bauwerken. Wir hingegen genießen lieber die ikonischen Spezialitäten einer Region. Hier finden Sie eine Auswahl an Gerichten, die Sie bei einer Reise nach Polen unbedingt probieren sollten – sowohl in ihrer klassischen Form als auch in den kreativen Interpretationen talentierter Küchenchefs vor Ort.


Obwarzanek Krakowski

aus Krakau

Man könnte ihn als den älteren Verwandten des weltberühmten New Yorker Bagels bezeichnen – schließlich verdankt die Metropole ihr beliebtes Gebäck jüdischen Einwanderern aus Mitteleuropa, die auf der Suche nach einer neuen Heimat den Atlantik überquerten und ihre kulinarischen Traditionen mitbrachten. Im historischen Krakau wurden einst sowohl Bagels als auch Obwarzanki Seite an Seite auf den Straßen verkauft. Während Bagels aschkenasischer Prägung früher in vielen Teilen Polens verbreitet waren, ist der Obwarzanek bis heute eng mit Krakau verbunden.

Der Name „Obwarzanek“ leitet sich von der besonderen Zubereitungsart dieses ringförmigen Gebäcks ab. Der gegangene Weizenteig wird zunächst zu geflochtenen Ringen geformt, anschließend kurz in heißem Wasser gekocht und danach im Ofen gebacken. Genau dieses kurze Wasserbad verleiht dem Obwarzanek seine charakteristisch glänzende Kruste und die angenehm zähe Konsistenz. Mit dem Bagel teilt er zwar die Zubereitungsmethode aus Kochen und Backen, im Vergleich zum New Yorker Bagel ist der Obwarzanek jedoch leichter, weniger weich und deutlich knuspriger. Traditionell wird er mit Mohn, grobem Salz oder Sesam bestreut und eignet sich hervorragend als Frühstück oder kleiner Snack zwischendurch.

Wenn Sie in einem der vom MICHELIN Guide empfohlenen Hotels in Krakau übernachten – etwa im Hotel Pod Różą oder im mit zwei MICHELIN Keys ausgezeichneten Hotel Copernicus – wohnen Sie mitten in der Altstadt, wo an Straßenecken und in den engen historischen Gassen Verkaufsstände mit frisch gebackenen Obwarzanki auf Sie warten.

Obwarzanek Krakowski – der ältere Verwandte des weltberühmten New Yorker Bagels. © wjareki/iStock
Obwarzanek Krakowski – der ältere Verwandte des weltberühmten New Yorker Bagels. © wjareki/iStock

Flusskrebse

aus Danzig, Gdynia und Sopot

Obwohl Polen an der Ostsee liegt, basiert die traditionelle Küche des Landes seit jeher eher auf Süßwasserfischen wie Zander, Hechtbarsch oder Forelle. Eine weitere Delikatesse, die einst in den klaren Seen Polens reichlich vorkam, sind Flusskrebse – Süßwasserkrebse, die besonders in der regionalen Küche Kaschubiens und Pommerns eine wichtige Rolle spielen.

Traditionell werden sie oft ganz schlicht serviert: gekocht mit reichlich aromatischem Dill und begleitet von Butter oder cremigen Saucen. Darüber hinaus finden Flusskrebse Verwendung in aufwendigeren Gerichten wie würzigen Suppen oder kräftigen Saucen zu Fisch.

Heute entdecken immer mehr Küchenchefs die regionalen Produkte neu und bringen Flusskrebse in kreativen Interpretationen zurück auf den Teller. Im vom MICHELIN Guide empfohlenen Mercato stand beispielsweise saisonal Ravioli mit Heilbuttfüllung auf der Karte, serviert mit Flusskrebs-Bisque, eingelegter Gurke, Shiso und Zitronengras.

Wenn Sie es herzhafter mögen, empfiehlt sich das ebenfalls vom MICHELIN Guide ausgewählte Tygle, das regelmäßig eine kräftige Flusskrebssuppe mit Fischklößchen, Forelle und Forellenkaviar serviert. Im Restaurant Fino wiederum kombiniert das Gericht „Zander & Flusskrebs“ fein-süßliche Flusskrebsschwänze mit einer eleganten Flusskrebs-Bisque, die den Zander perfekt ergänzt.

Eine aromatische und hervorragend zubereitete traditionelle Danziger Flusskrebs-Bisque im vom MICHELIN Guide empfohlenen Tygle. © Karol Kacperski / Tygle
Eine aromatische und hervorragend zubereitete traditionelle Danziger Flusskrebs-Bisque im vom MICHELIN Guide empfohlenen Tygle. © Karol Kacperski / Tygle

Pyzy

aus Warschau

Polen ist ein Land der Knödel und Teigtaschen – in unzähligen Formen, Größen und Varianten. Eine besonders typische Spezialität sind Pyzy: runde Kartoffelklöße aus gekochten und rohen Kartoffeln, denen der Teig seine charakteristische helle Farbe verdankt. Sie sind etwa so groß wie ein Tischtennisball, häufig mit Hackfleisch gefüllt und werden traditionell mit Schweineschmalzgrieben oder kleinen Würfeln von angebratenem Speck serviert.

Pyzy stehen oft auf den Speisekarten klassischer Bary Mleczne – der traditionellen „Milchbars“, die seit Jahrzehnten preiswerte und nahrhafte Hausmannskost anbieten. Der wohl bekannteste Ort, um sie zu probieren, ist jedoch Pyzy, Flaki Gorące, ein kleines, unkompliziertes Lokal im Warschauer Stadtteil Praga.

Wenn Sie dadurch neugierig auf die vielfältige Welt polnischer Knödel- und Teigspezialitäten werden, lohnt sich außerdem ein Besuch im vom MICHELIN Guide empfohlenen Źródło, ebenfalls im Viertel Praga gelegen. Das moderne Bistro interpretiert traditionelle polnische Aromen auf persönliche und zeitgemäße Weise. Auf der Karte finden sich stets verschiedene Varianten von Klößen und Teigtaschen – von Kopytka, rautenförmigen Kartoffelklößchen ähnlich Gnocchi, über Leniwe, die sogenannten „faulen Pierogi“ mit Quark, bis hin zu den beeindruckenden Kartacze, großen ovalen Kartoffelklößen mit Fleischfüllung.

Pyzy: Kartoffelklöße, häufig mit Hackfleisch gefüllt und traditionell mit Schweinegrieben oder Würfeln von angebratenem Speck serviert. © arfoi / iStock
Pyzy: Kartoffelklöße, häufig mit Hackfleisch gefüllt und traditionell mit Schweinegrieben oder Würfeln von angebratenem Speck serviert. © arfoi / iStock

Bigos Wrocławski

aus Breslau

Die Küche von Breslau war seit jeher ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse – geprägt von der multikulturellen Geschichte der Stadt, in der Religionen, Kulturen und Traditionen aufeinandertrafen und kulinarische Neuerungen stets mit Begeisterung aufgenommen wurden. Im Laufe ihrer Geschichte gehörte die Stadt unter anderem zum Königreich Polen, zur Habsburgermonarchie und zum Königreich Preußen.

Seit Jahrhunderten zählt jedoch Bigos zu den beliebtesten und zugleich wandelbarsten Klassikern der polnischen Küche. Im Kern handelt es sich um einen herzhaften Eintopf aus gehacktem Fleisch, Sauerkraut und Weißkohl. Darüber hinaus existieren unzählige Varianten mit unterschiedlichen Fleischsorten – von Schwein und Rind bis hin zu Wild oder geräucherten Würsten – ergänzt durch Gemüse, Gewürze oder Wein.

Die Breslauer Version, der berühmte Bigos Wrocławski, wird mit Rotkohl, Äpfeln, Zwiebeln und Fleisch zubereitet und dezent mit Nelken gewürzt. Das Ergebnis ist ein süß-säuerliches, aromatisch tiefes und wohltuend herzhaftes Gericht, das mit unterschiedlichsten Geschmacksnuancen spielt. Probieren können Sie es im vom MICHELIN Guide empfohlenen Wrocławska.

Bigos Wrocławski wird im Wrocławska mit Rotkohl, Äpfeln, Zwiebeln und Fleisch zubereitet und fein mit Nelken gewürzt. © Jakub Obarek / Wrocławska
Bigos Wrocławski wird im Wrocławska mit Rotkohl, Äpfeln, Zwiebeln und Fleisch zubereitet und fein mit Nelken gewürzt. © Jakub Obarek / Wrocławska

Pierogi

aus Breslau

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Breslau einen starken Zuzug von Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten Polens, darunter Regionen der heutigen Ukraine. Mit ihnen kamen auch ihre kulinarischen Traditionen und Gerichte. Deshalb trägt die moderne Küche Breslaus bis heute deutlich osteuropäische Einflüsse in sich.

Zu den bekanntesten Spezialitäten zählen zweifellos Pierogi – halbmondförmige Teigtaschen mit herzhaften oder süßen Füllungen wie Fleisch, Pilzen, Käse oder Früchten. Besonders beliebt ist die Variante „Ruskie“, gefüllt mit Quark, Kartoffeln und Zwiebeln und traditionell serviert mit gebratenen Zwiebeln oder saurer Sahne.

Was auf den ersten Blick wie einfache Hausmannskost wirkt, hat längst auch seinen festen Platz in der gehobenen Gastronomie gefunden. Im vom MICHELIN Guide empfohlenen Młoda Polska werden die Pierogi beispielsweise mit dem cremigen regionalen Frischkäse Tłuścioch serviert. Im mit dem Bib Gourmand ausgezeichneten IDA kuchnia & wino interpretiert der Küchenchef sie mit knusprig gebratenen Austernpilzen und aromatischem Kräuteröl neu.

Pierogi – eines der emblematischsten Gerichte Polens. © alicjane / iStock
Pierogi – eines der emblematischsten Gerichte Polens. © alicjane / iStock

Kiełbasa Biała Parzona Wielkopolska (weiße Brühwurst aus Großpolen)

aus Posen

Würste gehören zweifellos zu den emblematischsten Spezialitäten der polnischen Küche – von rohen bis geräucherten Varianten, aus Schwein, Wild, Lamm oder als Blutwurst. Wenn Sie sich für traditionelle Wurstwaren begeistern, sollten Sie unbedingt die Kiełbasa Biała Parzona Wielkopolska probieren, eine klassische weiße Wurst aus der Region Großpolen rund um Posen.

Diese gedämpfte weiße Wurst trägt die geschützte geografische Angabe (g.g.A.). Hergestellt wird sie aus mittelgrob gewolftem Schweinefleisch, gewürzt mit getrocknetem Majoran, Knoblauch und schwarzem Pfeffer, die den milden Geschmack des Fleisches harmonisch ergänzen. Da das Fleisch weder gepökelt noch geräuchert wird, behält die Wurst ihre helle Farbe. Produziert werden muss sie spätestens 48 Stunden nach der Schlachtung des Schweins.

Serviert wird die Wurst traditionell mit Meerrettich, Senf oder in Suppen wie Żurek, der typisch polnischen Sauermehlsuppe, in der sie entweder in Scheiben geschnitten oder im Ganzen in der Brühe gereicht wird. In Posen finden Sie sie in nahezu jeder Metzgerei.

Als Liebhaber traditioneller Wurstspezialitäten sollten Sie die Kiełbasa Biała Parzona Wielkopolska keinesfalls verpassen. © Jessica Nadziejko
Als Liebhaber traditioneller Wurstspezialitäten sollten Sie die Kiełbasa Biała Parzona Wielkopolska keinesfalls verpassen. © Jessica Nadziejko

Martinshörnchen

aus Posen

Zum Abschluss darf es noch etwas Süßes sein – oder besser gesagt: ausgesprochen süß. Martinshörnchen haben nur wenig mit den luftigen Viennoiseries zu tun, die Sie aus Pariser Cafés und Boulangerien kennen. Die halbmondförmigen Gebäcke werden aus sogenanntem halbfanzösischem Blätterteig hergestellt, der ebenfalls mit Butter touriert wird, jedoch etwas kompakter und teigiger ausfällt als die klassische französische Variante.

Im Inneren erwartet Sie statt feiner luftiger Schichten eine reichhaltige, saftige Füllung aus gemahlenem weißen Mohn, Nüssen, Rosinen, kandierter Orangenschale und Honig. Und als wäre das noch nicht üppig genug, wird das Ganze zusätzlich mit einer dicken Zuckerglasur sowie weiterer kandierter Orangenschale und Nüssen veredelt – ganz nach dem Motto: mehr ist mehr.

Traditionell wurden diese Hörnchen in Posen anlässlich des Martinstags am 11. November gebacken, denn der heilige Martin gilt als Schutzpatron der Stadt. Inzwischen sind sie jedoch so beliebt geworden, dass viele Bäckereien sie den gesamten Herbst über – manche sogar ganzjährig – anbieten.

In der Konditorei Karpicko erhalten Sie die traditionellen Martinshörnchen das ganze Jahr über, gebacken nach klassischen Rezepturen.

Die ausgesprochen süßen Posener Martinshörnchen. © Longfin Media / iStock
Die ausgesprochen süßen Posener Martinshörnchen. © Longfin Media / iStock


Illustration Image: Pierogi, eines der emblematischsten Gerichte Polens. © freeskyline / iStock


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