MICHELIN Guide Ceremony 02 Dezember 2025

Ein Tag in Parma zwischen Kunst und MICHELIN-Restaurants

Die Entwicklung der als Kolonie des alten Roms an der Via Emilia gegründeten Stadt Parma im Laufe der Jahrhunderte erzählt eine Geschichte der Kultur und der Vortrefflichkeit, sei es in der Kunst oder der Kulinarik.

Wie eine mit eleganten Palästen und bewegenden Skulpturen geschmückte Zeitmaschine transportiert Parma Weltenbummler und Reisende durch die verschiedenen historischen Epochen, die den Grundriss, die Architektur und die Kunst der 183 v.Chr. von den alten Römern gegründeten emilianischen Stadt prägten. Als römische Kolonie an der Via Emilia entwickelte sich Parma rasch zu einem strategischen Dreh- und Angelpunkt, in dessen quadratischem Grundriss ein Theater, ein Amphitheater und eine Steinbrücke über den Fluss zu finden waren.


Mit dem Verfall und schließlich dem Untergang des Römischen Reiches entstand ein Machtvakuum, das von Goten, Byzantinern, Lombarden und Franken gefüllt wurde, die sich im Allgemeinen wenig zivilisiert zeigten, jedoch zahlreiche Fehden zwischen den verschiedenen Familien mit sich brachten.
Nach den dunklen Jahrhunderten des Mittelalters kam die Zeit der Grundherrschaft und anschließend die der Renaissance. Sie überfluteten Parma mit neuem künstlerischem Licht, während die Ära der Herzogtümer (mit ihrem Höhepunkt zu den Zeiten der Familien Farnese und Bourbon-Parma) die Stadt mit einem Mosaik kostbarer kultureller Hinterlassenschaften pflasterte, die auch heute noch zu besichtigen sind.

Ein Blick auf die Geschichte von Parma von der Epoche der Grundherrschaft bis zu den Streiks der Landarbeiter Anfang des 20. Jahrhunderts


Obwohl der Ruhm des modernen Parma oft mit kulinarischen Köstlichkeiten in Verbindung gebracht wird, trug der Adel sowohl zur Raffinesse der Gastronomie als auch zur künstlerischen Entwicklung der Stadt bei. Im Zeitalter der Grundherrschaft und der Herzogtümer, das im 13. Jahrhundert begann, waren Familien wie die Correggio, Este, Visconti und Sforza sehr einflussreich.


1545 wurden die Herzogtümer Parma und Piacenza zum Gebiet der Farnese, die in rund 200 Jahren der Herrschaft mit dem Bau des Palazzo della Pilotta eine unauslöschliche Spur hinterlassen haben. Im Anschluss daran ging das Herzogtum an Don Carlos von Bourbon, während Parma mit dem Anschluss an das Königreich Italien im Jahr 1860 seinen Status als Hauptstadt verlor und das Herzogtum auf das Königreich Sardinien überging. Am turbulenten Anfang des 20. Jahrhunderts trugen sich in Parma bedeutende Ereignisse zu wie die Streiks der Landarbeiter im Jahr 1908 und die Barrikaden von 1922.


Parma
Parma

Visionäre Skulpturen von Antelami

Geht man in chronologischer Reihenfolge vor, kann man die Erkundung des Kulturerbes von Parma mit der Piazza Duomo beginnen, wo das berühmte Baptisterium von Parma steht. Der Ruhm dieses romanischen Bauwerks ist untrennbar mit den visionären plastischen Ornamenten von Benedetto Antelami verbunden, die das Gebäude sowohl außen als auch innen zieren.
Die Darstellungen reichen von einer Reihe von Reliefplatten mit fantasievollen allegorischen Tieren bis zu Portalen mit Einlegearbeiten, die biblische Szenen zeigen, wie die Anbetung der Könige. Die inneren Lünetten zeigen Bilder wie die Flucht nach Ägypten und König David, während der berühmte Zyklus der Monate in der Loggia verschiedenen Handwerksberufen im Zusammenhang mit den Jahreszeiten huldigt. Auch der Zophorus rund um den Sockel – einer der größten Skulpturenzyklen mit 75 Platten und 4 Tugenden (Keuschheit, Nächstenliebe, Glaube und Hoffnung) – verdient eine nähere Betrachtung.

Fregi di Antelami al Battistero
Fregi di Antelami al Battistero

Architektur und Geschichte des Baptisteriums von Parma


Das Baptisterium von Parma, dessen Bau im Jahr 1196 unter der sorgfältigen Aufsicht von Antelami begonnen wurde, war ein bedeutendes Bauvorhaben. Es musste bis 1249 unterbrochen werden, da aufgrund politischer Auseinandersetzungen kein Marmor aus Verona geliefert werden konnte. Fertiggestellt und eingeweiht wurde es 1270, als die Architektur von der Romanik zur Gotik überging. Die achteckige Form der Taufkirche (die gleiche wie die des Taufbeckens im Innern) ist ein Symbol der Ewigkeit (und Wiedergeburt). Die Komposition der Struktur wiederum ist so gestaltet, dass sie einem Wandteppich aus Stein gleiche, was die geistige Vision Antelamis widerspiegelte.

Battsitero di Parma - Parma Welcome
Battsitero di Parma - Parma Welcome

Die Kathedrale und die Fresken von Correggio


Wenn Sie das Baptisterium verlassen, setzt sich der visuelle Zauber in der nahe gelegenen Kathedrale (oder Duomo) von Parma mit dem Dom der Himmelfahrt Marias von Correggio fort. Vor allem die illusionistische Perspektive des zwischen 1526 und 1530 entstandenen Gemäldes ist bemerkenswert. In dieser Hinsicht war Correggio ein Vorreiter der perspektivischen Malerei und Kunsthistorikern zufolge ist eines der bedeutendsten Details der Freske die Kleidung Marias, die durch ihre Darstellung eine Illusion der Bewegung erzielt. Wenn man seinen Blick zu den Zwickeln gleiten lässt, findet man die Schutzheiligen von Parma, wodurch der Maler eine Verbindung zwischen der gemalten Szene und der religiösen Geschichte der Stadt herstellt.

Affreschi del Duomo di Parma
Affreschi del Duomo di Parma

Teatro Regio: die Macht der Oper und öffentlicher Debatten


Auch das Teatro Regio ist integraler Bestandteil der lokalen Geschichte. An diesem vom Dirigenten Arturo Toscanini und dem Komponisten Giuseppe Verdi sehr geschätzten Ort fand am 19. November auch die Präsentation des Guide MICHELIN Italien 2026 statt.
Das Teatro Regio wurde von Marie-Louise von Österreich (Napoleons zweiter Ehefrau) in Auftrag gegeben, um ihren Status zu heben und das kulturelle Angebot der emilianischen Stadt auszubauen. Es besitzt seit jeher eine starke Identität, die mit musikalischer Tradition, Oper und öffentlichen Debatten verbunden ist. In der Vergangenheit haben die Zuschauer die Vorstellungen aktiv im lokalen Dialekt diskutiert. Zu den vielen Besonderheiten dieses Ortes gehört ein Geheimgang von Marie-Louise. Die reformistische Herzogin hatte einen geheimen Weg vom Herzogspalast zu ihrer Loge, um die neugierigen Blicke auf der Straße zu vermeiden, wenn sie sich ins Theater begab.


Teatro Regio di Parma
Teatro Regio di Parma

Bib Gourmands und Restaurants im Guide MICHELIN


Sei es im historischen Zentrum oder in der Umgebung, die Gegend von Parma ist als Tempel des guten Essens bekannt und unter den vom Guide MICHELIN empfohlenen Restaurants ist das Al Vedel ein wahres Muss. Das Lokal liegt im kleinen Ort Vedole und ist auf die handwerkliche Herstellung von 16, 26 oder 38 Monate gereiftem Culatello spezialisiert. Auf der Karte stehen hier Gerichte wie „Gran Bollito“ (gemischter Fleischtopf), köstliche Weinbergschnecken à la Bourguignonne und „Tortél Dóls“ (süß-sauer gefüllte Teigtaschen).

Eine weitere Empfehlung der Inspektoren ist das Bib Gourmand Romani, das in einem typischen Bauernhaus mit großem Garten und einer Lebensmittelboutique angesiedelt ist. Dieses Etablissement im traditionellen Stil empfängt die Gäste in Räumen mit zahllosen Souvenirs und Dekorationen, während die regionale Küche „nichts für Neuinterpretationen oder exotische Höhenflüge übrig hat“ und sich stattdessen auf klassische lokale Gerichte konzentriert. Wie die Inspektoren es ausdrücken: „das gepökelte Fleisch, frische Nudeln, Braten und gegrilltes Fleisch werden so die wahren Protagonisten des Erlebnisses.“

Al Vedel
Al Vedel

Der verborgene Charme der Bibliotheca Palatina

Die Erkundung des Kulturerbes von Parma wäre nicht vollständig, würde man nicht einige Stunden im Palazzo della Pilotta und somit auch in der Bibliotheca Palatina verbringen, die 1761 von Felipe de Borbón gegründet wurde. Die Bibliothek birgt rund 800 000 Bücher sowie eine große Sammlung von Manuskripten, Dokumenten und Texten im Zusammenhang mit der lokalen, italienischen und europäischen Geschichte und Kultur und nimmt einen Flügel des monumentalen Gebäudekomplexes in Anspruch. Bis zum 19. Jahrhundert bildete sie das Zentrum der Sammler und intellektuellen Tätigkeiten des Palasts. Neben dem bedeutenden Archiv für historische Forschung zeichnet sich der Ort durch die Schönheit und die Größe der Maria Luigia Halle aus, in der außer der ihr gewidmeten Statue von Canova auch eine Deckenmalerei von Scaramuzza zu bewundern ist.

Biblioteca Palatina - Complesso della Pilotta
Biblioteca Palatina - Complesso della Pilotta

Teatro Farnese: Besuch eines barocken Juwels


Nach dem Besuch der Bibliotheca Palatina ist es Zeit, das Teatro Farnese zu entdecken. Dieses Auditorium in Hufeisenform gilt als eines der Juwelen des monumentalen Palazzo Pilotta. Entworfen wurde es von Gian Battista Aleotti für Ranuccio I. Farnese und fertiggestellt 1628 gerade rechtzeitig für die Hochzeit von Odoardo Farnese und Margherita de’ Medici.
Das in einer ehemaligen Waffenkammer eingerichtete und mit großen Kronleuchtern und über 2 400 Lichtquellen erhellte Theater verfügt über stufenförmig angeordnete Sitzbänke aus Holz, Stuckarbeiten und Marmorimitationen. In dem teilweise von Andrea Palladios Teatro Olimpico in Vicenza inspirierten Raum wurden über die Jahrhunderte spektakuläre Produktionen gezeigt. So zum Beispiel die berühmte Naumachia (Seeschlacht), bei der das Parkett mit Wasser geflutet wurde. Das Teatro Farnese wurde nur zu wenigen Anlässen genutzt und 1944 am Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bomben schwer beschädigt. Später wurde es komplett neu aufgebaut.

Teatro Farnese - Complesso della Pilotta
Teatro Farnese - Complesso della Pilotta

Die Meisterwerke der Nationalgalerie

Das letzte Wunder im Palazzo della Pilotta ist die Nationalgalerie. Zu den wichtigsten Meisterwerken des Museums zählen das Leonardo da Vinci zugeordnete Gemälde „La Scapigliata“, verschiedene Arbeiten von Guercino und Tintoretto sowie das „Portrait von Papst Paul III. Farnese“ von Sebastiano del Piombo. Darüber hinaus sind hier die „Heilung eines Blindgeborenen“, die „Erschaffung Evas“, „Adam und Eva nach der Sünde“ von Jan Soens und „Der tote Christus, gestützt von drei Engeln, Sankt Dominikus und einem Spender“ von Domenico Tintoretto zu sehen.

Galleria Nazionale
Galleria Nazionale

Überlieferte Rezepte und kulinarische Avantgarde

Um wieder auf die kulinarischen Verlockungen zurückzukommen, ist die Trattoria Antichi Sapori im Dörfchen Gaione ein weiterer Ort in der Gegend um Parma, den man keinesfalls verpassen sollte. Dieses seit der Nachkriegszeit geöffnete Lokal ist heute eines der meistgeschätzten Bib Gourmand des Guide MICHELIN. Hier herrschen Herzlichkeit und eine familiäre Atmosphäre, und „hervorragende Speisen mit Schwerpunkt auf lokalen Spezialitäten“ überzeugen Feinschmecker auf Reisen ebenso wie einheimische Gäste. Außerdem bildet der Empfang von Davide Censi einen echten Mehrwert. Zu den Kultgerichten in diesem Restaurant gehören mit Mangold oder Kürbis gefüllte Tortelli, Reis mit Zwiebel und schwarzem Pfeffer, gebratene Kalbsnuss und Frikassee von gebratenem Perlhuhn. Und wer zum krönenden Abschluss ein Sternerestaurant sucht, ist mit dem Inkiostro gut beraten. Hier bietet der Chef Salvatore Morello aus Catanzaro eklektische Kreationen, die authentische regionale Speisen elegant und gekonnt mit „teilweise exotischen Zutaten“ kombinieren.

Trattoria Antichi Sapori
Trattoria Antichi Sapori

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